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30 FAMILIENWEGWEISER 03 Kein neues Phänomen Nach der übereinstimmenden Meinung vieler Neurologen und Psychologen sind heutzutage nicht mehr Kinder und Erwachsene betroffen als früher. Dennoch tritt ADHS aktuell verstärkt und offensichtlicher zu Tage. Ursachen hierfür sind zum einen die zunehmende Komplexität der Gesellschaft und die damit einhergehende Reizüberflutung durch das Überangebot an Informationen und Kommunikation via Fernsehen, Computer und Mobiltelefon. Zum anderen haben sich die Anforderungen an den Einzelnen im privaten wie beruflichen Leben deutlich erhöht, zugleich lösen sich traditionelle, Sicherheit gebende Strukturen wie Familie, Ehe, Beruf, Heimat, Zuhause immer weiter auf. ADS-Betroffene stehen dadurch einer noch größeren Herausforderung gegenüber. Lassen Sie sich beraten Bevor sich Ihr Kind einer ärztlichen Behandlung unterzieht, sollten Sie eine Beratungsstelle im Gesundheits- oder Jugendamt aufsuchen. Die Beraterinnen und Berater versuchen mit Ihnen gemeinsam zu klären, wie die problematischen Situationen entstanden sind und wie sie überwunden werden können. Auch sollten Sie die Schule über die Symptome Ihres Kindes informieren, damit Ihr Kind gesondert gefördert und betreut werden kann. Wenn der Verdacht sich erhärtet, dass die Probleme auch organisch-biologisch bedingt sein könnten, sollten Sie einen Facharzt für ADS/ADHS aufsuchen und Ihr Kind gegebenenfalls medikamentös behandeln lassen. www.familienhandbuch.de  Suchbegriff „ADS“ oder „ADHS“ www.adhs.de / www.adhs-deutschland.de EXKURS: GEWALTFREIE ERZIEHUNG Verletzte Kinder- und Elternseelen Als Mutter oder Vater wissen Sie: Kinder zu erziehen ist oft nicht einfach. Manchmal gibt es Situationen, da bringen Kinder uns zur Verzweiflung. Zum Beispiel wenn Sie laut, aggressiv oder unkontrolliert sind. Oder wenn Sie etwas eindeutig Verbotenes tun, etwas kaputt machen, Kraftausdrücke verwenden oder sich prügeln. Gelegentlich erfüllen sie einfach unsere Erwartungen nicht, sind vielleicht unordentlich und nicht folgsam. Da ist es leicht, die Geduld zu verlieren, und der Schritt zu einer Ohrfeige ist dann nicht mehr weit. Eine Ohrfeige hat noch keinem Kind geschadet – so lautet eine weit verbreitete Meinung. Aber aus einer Ohrfeige werden schnell zwei, drei, viele. Gewalt ist keine Lösung: Schreien, Klapse oder Ohrfeigen lösen das Problem nur scheinbar. Es gibt Wege, ohne Ohrfeigen und Schläge auszukommen. Dabei geht es nicht darum, Kindern immer nachzugeben. Im Gegenteil, Kinder brauchen Orientierung. Doch diese Orientierung müssen Eltern vorleben – durch eine konsequente Erziehung, die für das Kind einsichtig und nachvollziehbar ist. Aber auch Eltern sind keine Übermenschen. Konflikte und Probleme gibt es in jeder Familie. Krankheit, Konflikte mit dem Partner oder berufliche und finanzielle Probleme machen es oft schwer, mit den eigenen Kindern zurecht zu kommen. Fehlt es dann auch noch an der nötigen Unterstützung im persönlichen Umfeld, wächst der Erziehungsstress gewaltig und es mangelt an Geduld, dem Kind gerecht zu werden. Nicht wenige Eltern halten es für persönliches Versagen, wenn sie einmal nicht mehr weiter wissen. Sie haben Hemmungen, sich mit ihren Sorgen und Nöten an eine Beratungsstelle zu wenden. Tatsächlich zeugt es aber von Verantwortungsbewusstsein, in einer solchen Situation um Rat und Hilfe zu fragen. Unterstützung und Hilfe erhalten Sie bei den folgenden Institutionen. Ihre Anliegen werden selbstverständlich vertraulich behandelt. Adressen und Telefonnummern finden Sie im Anhang. www.familienhandbuch.de  Suchbegriff „Gewaltfreie Erziehung“ www.bmj.bund.de Link „Service“  „Publikationen“  „Gewaltfreie Erziehung“


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