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65 KREIS LIPPE 07 SORGE- UND UMGANGSRECHT Rechte und Pflichten von Kindern und Eltern Wenn sich Eltern trennen, müssen viele Fragen geklärt werden: Wer muss Unterhalt zahlen? Wie oft darf ich mein Kind noch sehen? Zunächst: Verheiratete Eltern tragen die Verantwortung für Ihr Kind gemeinsam. Gleiches gilt für unverheiratete Eltern, die übereinstimmende Sorgeerklärungen abgegeben haben, die Sie kostenlos beim Jugendamt, Bereich Beistandschaften, oder kostenpflichtig beim Notar beurkunden lassen müssen. Die Sorgeerklärung kann bereits vor der Geburt des Kindes abgegeben werden, wenn die Vaterschaft festgestellt ist. Bei Meinungsverschiedenheiten müssen sich die Eltern einigen oder das Familiengericht anrufen, das umstrittene Entscheidungen einem einzelnen Elternteil übertragen kann. Die Eltern behalten die gemeinsame Sorge auch dann, wenn sie sich dauerhaft trennen oder scheiden lassen. Nur auf Antrag kann die Erziehungsverantwortung einem einzigen Elternteil gerichtlich übertragen werden. Voraussetzung ist das Einvernehmen der Eltern oder dass dies dem Wohle des Kindes am besten entspricht. Das alleinige Sorgerecht hat die Mutter, wenn die Eltern bei der Geburt nicht miteinander verheiratet waren und keine Sorgeerklärungen abgegeben haben. Wenn sie jedoch zu einem späteren Zeitpunkt heiraten, steht ihnen von diesem Zeitpunkt an die elterliche Sorge gemeinsam zu. Wenn das Kind bei seiner Mutter oder seinem Vater lebt Grundsätzlich entscheidet bei gemeinsamer elterlicher Sorge der Elternteil, bei dem das Kind lebt, über alltägliche Belange. Entscheidungen von erheblicher Bedeutung – etwa ein Schulwechsel oder ärztlicher Eingriff – bedürfen der Zustimmung des getrennt lebenden Vaters bzw. der Mutter. Das Kind hat ein Recht auf Umgang mit Mutter und Vater: Falls es hierüber zu Streitigkeiten kommt, vermittelt auf Wunsch das Jugendamt. Auf Antrag kann das Familiengericht entscheiden. Das Umgangsrecht kann nur unter besonderen Umständen eingeschränkt oder gar ausgeschlossen werden. In geeigneten Fällen ordnet das Gericht das Beisein eines Dritten an (betreuter Umgang). Der Rechtsbegriff „Umgang“ umfasst dabei nicht nur Besuche, sondern jede Form der Kontaktaufnahme, seien es Telefonate, Briefe, SMS oder E-Mails. Auch Großeltern und Geschwister sowie andere enge Bezugspersonen, die für das Kind tatsächliche Verantwortung tragen oder getragen haben, besitzen ein Recht auf Umgang, wenn dieser dem Wohl des Kindes dient. Wenn ein Elternteil stirbt Grundsätzlich nimmt der überlebende Elternteil die Erziehungsverantwortung für seine Kinder wahr, sofern beide die elterliche Sorge gemeinsam hatten. Wenn ein Familiengericht zuvor die Kinder dem verstorbenen Elternteil zugesprochen hatte, so hat es nach dessen Tod die Erziehungsverantwortung dem überlebenden Elternteil zu übertragen, wenn dies dem Wohl des Kindes nicht widerspricht. Nach dem Tod der Mutter eines nichtehelichen Kindes, die allein sorgeberechtigt war, hat das Familiengericht die elterliche Sorge dem Vater zu übertragen, wenn dies dem Wohl des Kindes dient. Sterben beide Eltern, so wird für das Kind ein Vormund bestellt. Stiefkinder, Kinder in Pflege Stiefeltern sowie schwule und lesbische Lebenspartner in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft haben das „kleine Sorgerecht“, sofern ihr Lebenspartner als Mutter oder Vater das alleinige Sorgerecht innehat. In Angelegenheiten des täglichen Lebens können sie im Einvernehmen mit dem sorgeberechtigten Elternteil entscheiden. Auch Pflegeeltern entscheiden in täglichen Fragen für ihr Kind. Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.ratgeberrecht.de, Stichwort: Fragen und Antworten zur Familie und hier wiederum zum Sorge- und Umgangsrecht. Der Allgemeine Sozialdienst des Jugendamtes berät Sie zur elterlichen Sorge.


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